Ein bunter Strauß aus Zeitgeschichten

Kalender und Uhren, Fahrpläne und Fließbänder geben unserem Leben den Takt vor. Wie die Zeit uns mehr und mehr in den Griff nimmt, ...

Kalender und Uhren, Fahrpläne und Fließbänder geben unserem Leben den Takt vor. Wie die Zeit uns mehr und mehr in den Griff nimmt, beschreibt der englische Sachbuchautor Simon Garfield in seinem Buch "Zeitfieber". Übersetzt wurde es von Jörg Fündling, der in zahlreichen Fußnoten Hinweise und Erklärungen nachreicht. So weist er auf Seite 10 darauf hin, dass Simon Garfield hier eine Anekdote von Heinrich Böll so erzählt, als hätte er sie selbst erlebt. Es handelt sich um die Anekdote über einen Angler, der mit sich und der Zeit im Reinen ist.

Der rote Faden, der die 15 Kapitel verbindet, ist die Zeit oder genauer Geschichten und Reportagen, die irgendwie mit Zeit, Zeitempfinden oder Zeitmessung zu tun haben. So steigt Garfield mit einem eigenen Fahrradunfall ein und beschreibt das veränderte, verlangsamte Zeitempfinden während des Sturzes. Es folgen interessante Geschichten, wie z. B. der Versuch einer neuen Zeitrechnung nach der Französischen Revolution: Uhren mit einer 10-Stunden-Einteilung des Tages. Sie wurden schnell wieder abgeschafft. Der Kalender, der pro Monat 3 Wochen à 10 Tagen vorsah, existierte dagegen von 1793 bis 1806. Oder: Wie im 19. Jahrhundert die Aufstellung von Fahrplänen für die Eisenbahn zu einer einheitlichen Zeitzone in England führte. Dagegen wehrten sich einige Städte des Landes, indem sie Uhren mit zwei Minutenzeigern anbrachten – alte und neue Zeit. Der Epilog ist mit „Die Demutsuhr“ überschrieben.

Lesenswert? Recht kurzweilig, wenn man Zeit hat …

Simon Garfield, Zeitfieber, Konrad Theiss Verlag 2017, 375 Seiten, 24,95 €